Lies Röm 6.
Lieber Bruder,
ich darf dich mit diesem Wochenimpuls herzlich beglückwünschen. 10 Wochen sind geschafft!
Vielleicht geht dir manches Gespräch oder eine persönliche Erkenntnis noch nach.
Du befindest dich heute an der Schwelle von einer Expedition zurück nach Hause. Was wird bleiben? Nachdem du dieses Ziel heute erreicht hast, wie sind deine weiteren Zielsetzungen für die kommenden Wochen und Monate? Genauso wie jemand nach einer Reha wieder in alte Umstände zurückkehrt, ist es jetzt an dir, wie du das Eingeübte weiter in dein Leben integrierst. Insofern wird die kommende Woche eine besonders herausfordernde. Mach dir das bewusst und habe ein inneres Bild davon, wie diese Tage aussehen sollen. Was steht als Hindernis auf deinem Weg und in deinem Kalender? An welche Orten und zu welchen Zeiten lauert die Sünde dir auf?
1. Sünde – Was mich von Gott trennte
Paulus redet in diesem Kapitel von der Sünde, dieser obskuren Kraft, die nicht ganz leicht ins Deutsche zu übersetzen ist. Die Sünde ist eine gegen Gott gerichtete Macht, der Zustand des von Gott entfremdeten Menschen. Sie ist der Graben zwischen mir und dem himmlischen Vater, den kein Mensch aus eigener Kraft überwinden kann. Die Sünde ist die Zielverfehlung, die mich mit meinem Leben an dem vorbei irren lässt, was Gott als gut, gerecht und heilsam vorgibt.
Schon in den ersten Kapiteln der Bibel findet die Versuchung der Sünde im menschlichen Herzen der ersten Menschen ein leichtes Ziel. Wenig später ist die Rede von der Sünde, die wie ein Raubtier vor der Tür lauert und mich überwältigen will.
Gleichzeitig kennen wir umgangssprachlich auch die Sünde in der Tat. Eine bestimmte Handlung oder ein Verbrechen, ob ganz unscheinbar oder erschreckend brutal, nennen wir Sünde. Und laden im Begehen solcher Sünden Schuld auf uns.
Eine gute Art und Weise, diese verschiedenen Sprachgebräuche zusammenzubringen, ist die Rede von Krankheit und Symptom. Die Sünde ist die angeborene, zutiefst innewohnende Krankheit des Menschen. Sie ist so selbstverständlich, dass er ohne die Konfrontation gar nicht groß darüber nachdenkt, dass sie ihn befallen hat. Ich kann als ein von dieser Krankheit Befallener durchaus mein Leben zufrieden führen, das sehe ich an den Menschen, die mir tagtäglich begegnen.
Und dann sind da noch die Symptome dieser Krankheit, die sich ganz unterschiedlich zeigen können. In Herzenshaltungen, Gedanken, Worten, Taten. Du hast in den letzten Wochen sicherlich einen klareren Blick dafür bekommen, wie sich das auch in deinem Leben niedergeschlagen hat.
2. Meine alte Sklaventreiberin
Ich gebrauche hier das Bild von der Sünde als meiner alten Sklaventreiberin. Das Neue Testament spricht vielfach von Jesus, der mich mit einem Lösegeld freigekauft hat, bezahlt durch seinen unschuldigen und freiwilligen Tod am Kreuz. Im Bild gesprochen: Jesus hat mich als Sklaven freigekauft. Er hat mich nicht im Black-Friday-Angebot günstig bekommen, sondern am Karfreitag alles dafür auf den Verhandlungstisch gelegt. Das war ich ihm wert.
Das Kreuz ist die Bezahlung des Kaufpreises, meine Taufe ist die Übergabe des ehemaligen Sklaven an den Frei-Käufer.
Wir denken kurz über die Existenz des Sklaven nach: Unsere Vorstellungen vom Sklaventum sind durch Filme und Medien sehr mit der Praxis des transatlantischen Sklavenhandels verbunden, sprich der aus Afrika teils verschleppten und teils verkauften Bevölkerung, die in Nordamerika dann klischeehaft Baumwolle erntete. Wir wissen davon, wie die Sehnsucht nach Freiheit auch durch die Bibel zu den Versklavten sprach. Immerhin ist der Gott der Bibel einer, der sein Volk aus der Sklaverei in Ägypten befreit und dafür sogar das Meer teilt.
Aber auch andere Versionen der Sklaverei gab es auf unserer Welt: Nur weil ich unfrei bin, heißt das nicht, dass ich ein elendes und furchtbares Leben führen musste. Manche Sklaven lebten mit in Villen und Palästen, aßen von den besten Mahlzeiten mit und genossen insgesamt einen hohen Lebenskomfort. Das Leben in der Sünde ist oft nicht unangenehm, sondern voll von Genuss und Vergnügen. Und trotzdem bleibt die Unfreiheit.
Für manche war die Sehnsucht nach Freiheit verbunden mit dem Tod. Es gibt keine Sklavenmeister im Grab. Einen ganz ähnlichen Gedanken entfaltet Paulus hier im Römerbrief.
Letztlich löst uns nur der Tod von der Gewalt der Sklaventreiberin. Mit dem Ende meines Lebens endet ihre Macht über mein Leben. Darum muss ich meinen Freikauf von der Sklavenmeisterin als Ende meines alten Lebens behandeln. Ich kann nicht freigekauft werden und weiterhin im Palast der alten Meisterin wohnen bleiben. Ich kann nicht weiter für sie arbeiten oder ihr freundschaftlich verbunden bleiben. Dieses Leben ist vorbei. Für sie bin ich gestorben.
Dies vollzieht sich in der Taufe: Ich sterbe geistlich und beginne mit und durch Jesus meine neue Existenz. Und in diesem neuen Leben bin ich frei.
Der von der alten Sklavenmeisterin freigekaufte Sklave könnte doch jetzt theoretisch tun und machen, was er möchte. Seine Freiheit hat er ja. Er wäre auch frei, weiter im Haus der alten Herrin zu bleiben, mit den alten Mitsklaven leben und essen, die guten Dinge im Palast zu genießen und im Gegenzug für sie zu arbeiten. Jetzt in aller Freiheit. Wirklich?
Was sollen wir dazu sagen?
Etwa: »Lasst uns in unserer Sünde bleiben, damit die Gnade noch größer wird!«?
Auf keinen Fall!
Für die Sünde sind wir ja tot. Wie könnten wir da noch weiter in ihr leben? (Röm 6,1-2)
Genau das beschreibt Paulus. Soll ich denn nun, freigekauft von der Macht der Sünde, mein altes Leben unverändert weiterführen? Einfach weiter sündigen, im Bewusstsein, dass Gottes Gnade mir gilt? Nein, das wäre eine große Mogelpackung.
Ich kann mich nicht an den Umständen meines alten Lebens festhalten, wenn ich für ein neues Leben freigekauft wurde. Beides ist nicht miteinander vereinbar.
3. Ein neues Leben gegen die Sünde
Paulus gibt den Christen in Rom und in Erweiterung auch uns Anweisungen für das Leben eines von der Sünde freigekauften Sklaven. Unsere alte Herrin und alles, was zu ihr gehört, soll uns jetzt nicht mehr beherrschen. Wir trennen uns bewusst in unserer Lebensführung von dem, was vorher war.
Das ist kein Automatismus. Erwarte nicht, dass dein neues Leben auf einmal ganz von selbst komplett anders wäre, als hättest du einen Schalter umgelegt. Es ist der Weg einer jeden christlichen Biografie, in dieses neue Leben hineinzufinden, d.h. die Dinge des alten Leben zu verlernen und Neues zu er-lernen. Dieser Weg kann sich streckenweise wie ein Kampf gegen sich selbst anfühlen.
Paulus warnt ausdrücklich davor, dass meine Begierden -nicht nur, aber insbesondere körperliche Begierden – uns zum Widerstand nötigen werden. Wir müssen bewusst und mit voller Absicht Gehorsam üben GEGEN unsere eigenen Bedürfnisse.
Noch einmal die Erinnerung: Du bist schon freigekauft! Das heißt, du bist nicht mehr gezwungen, in deinen alten Lebensumständen zu bleiben. Du hast die Möglichkeit zum neuen Leben, aber du wirst nicht ohne dein eigenes Zutun in dieses neue Leben hinein gezwungen.
Es beginnt für dich die Zeit der Zusammenarbeit mit Gottes Heiligem Geist. Um von der alten Meisterin wegzulaufen, brauche ich eine Zielrichtung. Und mein Ziel heißt: Hin zu Gott.
Gott arbeitet mit dir zusammen in einem Prozess, den die Bibel „Heiligung“ nennt. Ganz bewusst reden wir nicht von HEILIGKEIT, als einem abgeschlossenen Zustand, sondern von HEILIGUNG, also einem Prozess. Ich werde von Gott verändert. In dieser Veränderung entfremde ich mich immer mehr von meinem alten Leben und verlerne meine alten Gewohnheiten. Körper, Geist, Seele und vor allem mein Herz werden sich nach und nach in diesem Prozess mitverändern. Aber rechne damit, dass deine menschliche Natur erst einmal noch im alten Leben verharren möchte. Das ist herausfordernd und anstrengend. Deswegen braucht es immer wieder die Ermutigung und Erinnerung: Ich bin frei von meinem alten Leben!
Gott sei aber gedankt, dass ihr Knechte der Sünde gewesen seid… (Röm 6,17)
Die Kraft, das Bewusstsein und der Wille gegen dein altes Leben ist ein Geschenk, dass Gott dir aus Gnade macht. Sie kommen nicht von dir! Wenn du merkst, dass du Mühe hast, gegen die alte Lebensführung anzukommen, dann merkst du darin ja schon das Wirken Gottes in deinem Leben. Deine innere Ausrichtung ist gegen das Alte. Nimm das dankbar zur Kenntnis!
Jesus spricht: „Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.“ (Mt 9,13b)
4. Konsequenzen meines neuen Lebens
Je mehr du in das neue Leben in Christus, frei von der Sünde, hinein findest, desto mehr wird mit der Zeit dein Radar für die Auswirkungen der Sünde verfeinert werden. Du wirst auf gute Weise im Blick zurück an all dem leiden, was die Sünde mit ihren Symptomen in deinem bisherigen Leben bewirkt hat. Wie sich die Getrenntheit von Gott und das Leben unter der Sklaventreiberin in allen Aspekten deines Lebens negativ ausgewirkt hat. Du wirst ein tieferes Empfinden für Ungerechtigkeit und geistlichen Schaden entwickeln. Du wirst dankbar sein, für gute und heilsame Entwicklungen in deinem eigenen und im Leben anderer Menschen.
Du wirst mehr und mehr Gottes Wirken erkennen. Und er wird dich in seinem Reich gebrauchen. Keiner kann dir vorher sagen, auf welche Weise das geschehen wird.
Paulus nennt das „unsere Glieder in den Dienst der Gerechtigkeit stellen“. Versprochen ist dir: Deine Lebensführung, ob im alten oder im neuen Leben, wird Früchte tragen. Ganz am Ende führt unser Weg auf der alten oder der neuen Bahn zum Ziel. Und die Bibel versteht dieses Ziel als Tod und Leben. Der Weg frei von der Sünde führt dich letztlich zum Leben in Jesus Christus.
Sei dir klar darüber, dass du dich auf einem Weg befindest. Im Glauben an Jesus und reingewaschen durch die Taufe bist du jetzt frei von Sünde. Du bist aber Zeit deines Lebens auf dem Weg heraus aus dem alten Sklavenhaus. Du wirst weiter die Auswirkungen der Sünde spüren und selber mit dir tragen. Aber sie ist nicht mehr deine Meisterin. Sag es dir immer wieder selbst: Du bist in einem neuen Leben auf einem neuen Weg. Der Anfang ist gemacht.
Lieber Bruder,
sei fröhlich und gespannt auf das, was noch kommt! Ich wünsche dir auf deinem Weg Führung und Segen!
Fragen
Sonntag bis Dienstag:
Was war dir an deinem alten Leben angenehm? Was musst du an Annehmlichkeiten, Vergnügen und Genuss aufgeben, weil es nicht mehr zu deinem neuen Leben passt? Schreibe sie auf und verabschiede dich im Gespräch mit Gott ganz bewusst davon. Mache für die verschiedenen Bereiche einen Fahrplan, wie du dich davon trennen kannst! Was kannst du heute schon umsetzen? Nutze dafür mehrere Tage und tausche dich mit deinen Brüdern darüber aus! (Lies dazu Röm 6,1-4)
Mittwoch und Donnerstag:
Wie soll dein neues Leben aussehen? Inwiefern unterscheidet es sich vom alten? Was sind neue Gewohnheiten und Praktiken, die künftig einen festen Platz in deinem Wochenalltag haben sollen? Wie wirst du den Aspekten Umkehr zu Jesus Christus, Gebet, Bibellesen und Bruderschaft Raum geben? Fang klein an und tausche dich heute mit einem Bruder und auch anderen Christen über Ideen für solche Lebenspraktiken aus! Halte gute Ideen fest! (Lies Röm 6,13-14)
Freitag und Samstag:
Welche unguten Auswirkungen der Sünde kannst du bereits in deinem alten Leben erkennen? Gibt es bereits Veränderungen, für die du dankbar bist? Tausche dich mit Gott im Gebet über diese Dinge aus und bitte ihn darum, dass dir die Gegenwart und Auswirkungen der Sünde in deinem Leben noch deutlicher werden. Gehe verschiedene Bereiche deines Lebens prüfend durch!
Und nimm dir heute eine zusätzliche kurze Zeit, in der du ungestört mit Gott allein bist und dein neues Leben in Freiheit genießen kannst! (Lies Röm 6,22-23)